Textbeitrag(Ausschnitt); Moon Kwan Park

Dieser neuer Serie geht eine Arbeit voraus, in der der Augenblick der malerischen Setzung thematisiert und auch im Titel genant wird. „Augenblicklich“ zeigt einen in Schichten unterschiedlicher Farbvaleurs aufgebauten und durch Abtragungen gestalteten Grund, der wiederum als Farbraum erfahrbar wird. Darüber sind zwei weiße Pinselspuren gelegt, die wie Tropfen auf die Leinwand aufgetroffen zu sein scheinen. Dieser Komposition liegt die Beobachtung zugrunde, daß im Konzept des Bewusstseins, folgt man östlicher Philosophie, nur der Moment konstituierend für ein selbstbewußtes Sein ist. Die erlebte menschliche Existenz besteht demnach aus einer Aneinanderreihung von Augenblicken. Ein erfülltes Sein ergibt sich aus der vollkommenen Präsenz des Bewusstseins im Augenblick, ohne das Vorher und Nachher zu bedenken. Aus der Abfolge dieser Momente entsteht Ewigkeit. Im Bild wird dies nachvollzogen, indem der kurzlebige Moment der Farbsetzung festgehalten ist, der Augenblick der Aktion also, die einen spezifischen Moment ausfüllte. Die bleibende Farbspur dokumentiert diesen in der Vergangenheit liegenden Vorgang, legt Zeugnis ab. Der Maler durchläuft diesen Prozeß, um ihn – entgegen der philosophischen Vorgabe – dauerhaft im Bild zu manifestieren. Indem wir jedoch die Bildwerdung nachvollziehen, durchleben wir einen Moment konzentrierter Wahrnehmung, der den Bogen zwischen Bildwerdung und –betrachtung, zwischen Künstler und Betrachter auch auf philosophischer Ebene schließt. In den Arbeiten, die seit dem Jahr 2011entstehen, beleuchtet der Maler den energetischen Aspekt von Gedanken. Hier nähert sich Moon-Kwan Park naturwissenschaftlichen Modellen zur Erfassung von Bewußtsein an. Wellenartig gestaltete, geritzte Linien öffnen den Bildgrund auf sein Darunter hin, geraten ins Schwingen und Vibrieren, so wie wir Energie wahrnehmen, die fließt. Auch Assoziationen an Nervenbahnen, über die elektrische Impulse weitergegeben werden, stellen sich ein. Das Bild selbst wird zum energetischen Zustand, indem seiner Faktur der energetische Prozeß bereits eingeschrieben ist. Ausdifferenzierte Bildelemente treten nun zurück hinter die sichtbar gemachten Energieflüsse. Diese Bilder sind nicht leer, wie man auf den ersten Blick meinen möchte. Sie sind vielmehr konzise visuelle Umsetzungen einer Facette des vielschichtigen Themas, das den Künstler nun über Jahre hinweg begleitet und zur Schaffung immer neuer Werke herausfordert.





Home


Works

Ausstellungen

Projekte

Vita

Kontact

links

_deutsch
koreanish

impressum